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Krebsfrüherkennung: wirksam?

Veröffentlicht: Samstag, 26. Dezember 2015 12:57

Früherkennung von Krebserkrankungen kann Leiden verhindern und die krebsspezifische Sterblichkeit reduzieren. Früherkennungsprogramme sind ein fest etabliertes Strukturelement des deutschen Gesundheitswesens. Voraussetzung für effektive Krebsfrüherkennung ist die Verfügbarkeit eines gut standardisierten Verfahrens, das den jeweiligen bösartigen Tumor in einem frühen Stadium sensitiv und spezifisch erkennt und die Betroffenen dabei gleichzeitig möglichst wenig belastet. Für eine ganze Reihe von Krebserkrankungen stehen inzwischen Verfahren für die Früherkennung zur Verfügung.

Die Brustkrebsfrüherkennung ist in Deutschland gesetzlich geregelt, alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden zweijährlich eingeladen. Ein ähnliches Programm ist ab 2015 für Darmkrebs geplant. Bei anderen Früherkennungsprogrammen wie z. B. beim Gebärmutterhalskrebs übernehmen die Krankenkassen die Kosten, Teilnehmerinnen müssen sich aber selbst melden. 

Die Evidenz für den Nutzen der jeweiligen Früherkennungsverfahren ist sehr unterschiedlich und beruht z. T. nicht auf aktuellen oder nicht auf hochwertigen Studien. Diskussionspunkte sind u. a.:

• Brustkrebs: Teilnahmerate niedriger als gefordert, Gefahr der Überdiagnostik/-therapie

• Darmkrebs: neue Stuhltests empfindlicher als die bisher eingesetzten Verfahren

• Gebärmutterhalskrebs: Testung auf den humanen Papillomvirus empfindlicher als die bisher eingesetzte Zytologie; Intervalle von 3-5 Jahren ausreichend?

• Hautkrebs: Einfluss auf die Sterblichkeit nicht gesichert

• Lungenkrebs: computertomographische Früherkennung kann die Sterblichkeit senken, ist aber mit Risiken belastet

• Prostatakrebs: hohe Rate an Überdiagnostik und Übertherapie

• Blutkrebs: Früherkennung durch Blutuntersuchung möglich, Nutzen nicht gezeigt.