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Familiärer Darmkrebs – Das unbekannte Risiko

Veröffentlicht: Samstag, 26. Dezember 2015 12:01

Familiäre Aspekte vieler Erkrankungen werden oft unterschätzt. Sie ergeben sich durch das soziale Umfeld, in dem eine Familie lebt, ihren Lebensstil sowie ihre genetische Struktur. Eine Krankheit als familiäres Phänomen zu akzeptieren und zu behandeln, ist nur schwer in unser bestehendes Verständnis von Krankheit einzuordnen. Krankheiten werden immer noch als Schicksal des Einzelnen angesehen. Dies trifft speziell auf Tumorerkrankungen zu.

Darmkrebs ist in Deutschland für Männer und Frauen die häufigste Krebserkrankung und diejenige mit der zweithöchsten Sterblichkeit. Pro Jahr erkranken fast 70.000 Personen neu an Darmkrebs und mehr als 26.000 Patienten versterben an den Folgen ihrer Tumorerkrankung. Die Häufigkeit von Darmkrebserkrankungen steigt ab dem Alter von 50 Jahren für die Normalbevölkerung rapide an. Geschlechtsspezifische Aspekte des Erkrankungsrisikos liegen ebenso vor. Männer sind Frauen im Risikoprofil etwa 10 Jahre voraus.

 

Etwa ein Drittel der Menschen, die an Darmkrebs erkranken, haben ein familiär erhöhtes Risiko

Insgesamt sind in Deutschland etwa vier Millionen Menschen von einem “Familiären Darmkrebs” betroffen.

Viele Studien belegen ein stark erhöhtes Darmkrebsrisiko für gesunde Familienangehörige bei familiärer Belastung.

Bereits ein Fall von Darmkrebs in der Familie bedeutet für alle direkten Verwandten des Erkrankten, dass sich ihr Risiko für die Entwicklung von Darmkrebs gegenüber dem Risiko normal belasteter Menschen verdoppelt bis verdreifacht. Leiden mehrere Personen in einer Familie an Darmkrebs und/oder an sogenannten Polypen (= gutartige Vorstufen von Darmkrebs), erhöht sich das Risiko für alle direkt mit diesen Personen Verwandten um den Faktor 6 bis 8. Hinzu kommt, dass Darmkrebs bei familiärer Belastung meist in einem wesentlich jüngeren Alter als bei durchschnittlich belasteten Personen auftritt.

Neuere Studien zeigen, dass sich Darmkrebs und dessen Vorstufen (Polypen) bei familiär belasteten Menschen im Durchschnitt 10 Jahre früher als bei normal belasteten Menschen entwickeln.