Medikamente, Hormone, Vitamine, Spurenelemente & Co.

Medikamente

Eine Tablette, die Gesunde vor Krebs schützt - diesen Traum haben Wissenschaftler ebenso wie Menschen, die um ihr persönliches Risiko besorgt sind. In den letzten Jahrzehnten wurde intensiv nach Möglichkeiten der sogenannten Chemoprävention gesucht – auch im Zusammenhang mit Darmkrebs. Noch gibt es jedoch keine Empfehlung, die für alle gilt und nur Nutzen und nicht auch Schaden mit sich bringen würde. 

Besonders zur Acetylsalicylsäure (ASS, "Aspirin)" und ihren chemischen Verwandten gab es viele Untersuchungen, hier ein Überblick.

Aktuell sorgt in Fachkreisen der Entwurf einer Empfehlung der U.S.-Behörden für Diskussion: Menschen mit einem messbar höheren Risiko für einige Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten eventuell zur Vorbeugung „Aspirin“ einnehmen. Bei der betroffenen Altersgruppe - nur Menschen zwischen 50 und 69 Jahren - wird auch eine Senkung des Darmkrebsrisikos angestrebt, sozusagen nebenbei. Noch ist diese Empfehlung nicht verabschiedet, und im Entwurf des Textes wird ausdrücklich vor dem Risiko von Blutungen gewarnt. 

Der geplante Ratschlag der U.S.-Experten unterscheidet sich damit deutlich von den europäischen Empfehlungen, die bisher den Nutzen im Vergleich zum Risiko zurückhaltender bewerten.

In diesen Studien wurden große Gruppen von Menschen über längere Zeit beobachtet. Sie erhielten regelmäßig ASS oder verwandte Stoffe zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einigen dieser Studien fanden die Wissenschaftler bei diesen Menschen ein niedrigeres Krebsrisiko als bei vergleichbaren Gruppen, die keine solchen Medikamente erhielten. In anderen Studien zeigte sich kein solcher Zusammenhang, oder er war viel schwächer.

Eine zusammenfassende Auswertung von mehr als fünfzig Studien im Jahr 2012 ergab: Insgesamt hatten Patienten, die täglich über mehrere Jahre hinweg ASS einnahmen, ein geringeres Erkrankungsrisiko für Krebs. Wer trotzdem erkrankte, hatte einen weiteren Schutzeffekt: auch das Risiko, an Krebs zu sterben, blieb geringer. Eine Ursache vermuten die Forscher in der Wirkung auf Fernmetastasen: Eventuell treten Tumorabsiedlungen im Körper seltener auf, wenn man regelmäßig ASS einnimmt.

Neuere Studien deuten allerdings darauf hin, dass nur einige und nicht alle Menschen von ASS profitieren: Anscheinend spielen angeborene Unterschiede in der Reaktion eine Rolle. Dies könnte erklären, warum der Schutzeffekt in den Beobachtungsstudien an großen Bevölkerungsgruppen nicht eindeutiger zu erkennen ist.

Welcher Mechanismus dahinter steckt, ist ebenfalls noch nicht ganz klar. Die bisherigen Anhaltspunkte zeigen: ASS und ähnliche Medikamente beeinflussen Entzündungsprozesse im Körper. Von diesen weiß man heute wiederum, dass sie an der Krebsentstehung beteiligt sein können.

Mögliche Nebenwirkungen?

Experten empfehlen

ASS darf man nicht längere Zeit auf eigene Faust einnehmen: Schwere Nebenwirkungen sind zwar selten, kommen aber vor. Deshalb sollte man sich vom Arzt beraten lassen.

In den Beobachtungsstudien wurde jedoch deutlich, dass die tägliche ASS-Einnahme Nebenwirkungen hat. Diese traten zwar selten auf, waren aber bei manchen Betroffenen schwerwiegend. So kann es durch "Aspirin" und ähnliche Substanzen beispielsweise zu schweren Blutungen im Magen-Darm-Bereich und zu Geschwüren kommen. Diese Beobachtung führt zu einer einfachen Rechnung: Die Risiken könnten den Nutzen von ASS und Verwandten – zumindest in Bezug auf Krebs - wieder aufheben. Daher raten Experten von einer dauerhaften Einnahme zur Krebsvorbeugung ab.

Wie sieht es aus, wenn man schon mal Krebsvorstufen wie Adenome oder Polypen im Darm hatte? Was ist mit Verwandten von Darmkrebspatienten? Auch diesen Menschen raten Fachleute momentan nicht zur Einnahme von Tabletten zur Krebsvorbeugung. Beide Gruppen haben zwar ein höheres Darmkrebsrisiko als andere - auch sie wären allerdings von den möglichen Nebenwirkungen betroffen. Insgesamt reichen die verfügbaren Daten derzeit nicht aus, um abzuschätzen, ob der Nutzen für sie tatsächlich größer ist als die Risiken, so die aktuelle Leitlinie.

Stattdessen sollten Menschen, bei denen Polypen entfernt wurden, ebenso wie Angehörige von Patienten auf einen gesunden Lebensstil achten und sich über Angebote zur Früherkennung informieren.

Sehr hohes Darmkrebsrisiko? Chemoprävention in Studien

Eine Ausnahme bilden unter Umständen Menschen mit einem sehr hohen angeborenen Darmkrebsrisiko. Ein Beispiel ist die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP). Studien zeigen: Eine Langzeiteinnahme von ASS-verwandten Substanzen könnte bei Betroffenen das Darmkrebsrisiko senken. Bei FAP-Betroffenen ist normale Acetylsalicylsäure allerdings nicht geeignet, sie wirkt nicht ausreichend. Infrage kommen die verwandten Substanzen Sulindac und Celecoxib. Beide sind jedoch zur Chemoprävention von Darmkrebs in Deutschland nicht zugelassen. Sie haben zudem erhebliche Nebenwirkungen.

Menschen mit einem besonders hohen Darmkrebsrisiko aufgrund nachgewiesener Genveränderungen oder aufgrund von Vorerkrankungen brauchen eine individuelle medizinische Betreuung. Ob sie Medikamente zur Krebsvorbeugung einnehmen sollten, können sie nur gemeinsam mit ihren behandelnden Ärzten entscheiden.

 

Hormone

Ein weiteres manchmal zitiertes Beispiel für die Chemoprävention von Darmkrebs ist bei Frauen die Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden: Es gibt zwar Hinweise darauf, dass sie das Darmkrebsrisiko senkt - dafür steigert sie aber auf der anderen Seite das Brustkrebsrisiko und das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Thrombosen. Auch hier gilt deshalb: Die Risiken sind wahrscheinlich größer als der zu erwartende Nutzen.

 

Nahrungsergänzungsmittel

Bisher ist keine Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln belegt.

 

Vitamine, Spurenelemente

Es gibt noch eine ganze Anzahl weiterer Stoffe, die zur Darmkrebsvorbeugung in der Diskussion waren: Eine Zeitlang sah es so aus, als wären zum Beispiel Substanzen, die sich auf den Cholesterinstoffwechsel oder die Gallensäuren auswirken, geeignete Kandidaten zur Darmkrebsvorbeugung. Kalzium, Selen und viele weitere Mikronährstoffe wurden ebenfalls in Studien untersucht. Man prüfte vor allem, ob sich die Bildung von Polypen reduzieren ließ – diese gelten als Vorstufe von Darmkrebs. Bisher konnte allerdings nicht belegt werden, dass sie sich als isolierte Stoffe zur Chemoprävention eignen. Die aktuelle Leitlinie rät deshalb von ihrer Einnahme als Nahrungsergänzungsmittel zur Darmkrebsvorbeugung ab. Zu den nicht empfehlenswerten Substanzen zählen laut der Leitlinie Kalzium, Magnesium, Beta-Carotin als Vitamin-A-Vorstufe, die Vitamine A, C, D, E, sowie Folsäure und Selen.

Wo möglich, sollten stattdessen insbesondere Vitamine, Mineralien und Spurenelemente über die normale Ernährung und nicht als Tablette aufgenommen werden.

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