Risiko durch andere Erkrankungen

Verdauungsprobleme als Krebsrisiko?

Länger anhaltende Verdauungsprobleme müssen nicht Krebs bedeuten. Sie sollten trotzdem vom Arzt abgeklärt werden. Betroffene, die über längere Zeit unter Verstopfung oder Durchfall leiden oder befürchten, ein sogenanntes Reizdarm-Syndrom zu haben, machen sich oft auch Sorgen um ihr Krebsrisiko.  Die meisten Verdauungsbeschwerden sind allerdings eher lästig als gefährlich. Verdauungsprobleme, die längere Zeit anhalten, sollten zur Sicherheit trotzdem durch den Arzt abgeklärt werden, denn: Änderungen von Stuhlgewohnheiten können ein Frühzeichen von Darmkrebs sein. Der Arzt kann am besten beurteilen, ob eine Änderung des Lebensstils sinnvoll ist - nicht wenige Verdauungsprobleme sind ein Hinweis darauf, dass es hier Verbesserungsbedarf geben könnte. 

Lange diskutierten Fachleute, ob der häufige Gebrauch von Abführmitteln das Darmkrebsrisiko steigern kann. Es ist jedoch durchaus schwierig, den tatsächlichen Einfluss der verschiedenen Mittel von dem eines ungesunden Lebensstils oder ungünstiger Ernährungsgewohnheiten zu trennen. Diese Faktoren stecken nicht selten hinter den Verdauungsstörungen, die zum Abführmittel greifen lassen – und steigern nachgewiesenermaßen das Darmkrebsrisiko. Manche Menschen setzen Abführmittel zur Gewichtsreduktion ein – ein Indiz dafür, dass als Risiko auch Übergewicht eine Rolle spielt.

Was sagen Studiendaten, in denen all diese Faktoren berücksichtig und sozusagen "heraus gerechnet" wurden? Von quellenden Mitteln und solchen, die die Bewegung des Dickdarms direkt anregen oder den Entzug von Wasser aus dem Stuhl hemmen, geht nach heutigem Wissenstand kein Krebsrisiko aus. Bestimmte Wirkstoffe aus häufig zum Abführen genutzten Pflanzen gelten allerdings als krebsverdächtig, etwa Rhabarberwurzel, Sennes oder Faulbaumrinde. Mehr dazu bietet der Text "Medikamente und Krebsrisiko: Sind rezeptfreie Mittel grundsätzlich harmlos?".

 

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED): Colitis ulcerosa und Morbus Crohn steigern das Darmkrebsrisiko

Ein gesteigertes Krebsrisiko ist bislang nur für zwei ernstere Darmerkrankungen sicher belegt: Bei Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronische Entzündung des Dickdarms, die heute bei entsprechender Behandlung gelindert werden kann. Die Erkrankung ist aber nicht dauerhaft heilbar. Als Morbus Crohn bezeichnet man eine ähnliche entzündliche Erkrankung. Sie betrifft bei den meisten Patienten den letzten Dünndarmabschnitt. Ein Befall des Dickdarms ist möglich, aber seltener.

 

Betroffene mit Colitis ulcerosa leben mit einem höheren Risiko für ein Kolonkarzinom. Die Risikosteigerung ist abhängig vom Ausmaß der chronischen Entzündung und von der Dauer der Erkrankung. Auch Patienten mit Morbus Crohn haben möglicherweise ein höheres Risiko für Dickdarmkrebs als gesunde Menschen. Dies gilt insbesondere, wenn die Entzündung den Dickdarm befallen hat. Allerdings gibt es zur Erkrankungswahrscheinlichkeit noch keine verlässlichen Angaben.

 

CED-Patienten: Was tun zur Vorbeugung und Früherkennung von Darmkrebs?

Patienten, bei denen eine dieser Erkrankungen festgestellt wurde, sind meist in engmaschiger medizinischer Betreuung. Sie sollten ihre Ärzte auf geeignete Früherkennungsmaßnahmen ansprechen: Für sie kann es sinnvoll sein, nicht erst ab dem Alter von 50 Jahren Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch zu nehmen, sondern bereits früher.

Die aktuelle Leitlinie zum Thema Darmkrebs empfiehlt Patienten mit Colitis ulcerosa spätestens acht Jahre nach Beginn der Erkrankung eine Darmspiegelung. Bei dieser ersten Koloskopie kann der behandelnde Arzt das Ausmaß der Entzündung feststellen. Je nach Ergebnis der Untersuchung wird dann der zeitliche Abstand der weiteren regelmäßigen Darmspiegelungen festgelegt. Sind allerdings auch die Gallenwege befallen, dann gilt die "8-Jahres-Regel" nicht: Betroffene sollten ab dem Zeitpunkt der Diagnose eine jährliche Darmspiegelung in Anspruch nehmen.

Aus Studien weiß man, dass Patienten mit Colitis ulcerosa eventuell ihr Krebsrisiko durch Medikamente senken können. Dazu gehören zum Beispiel chemische Verwandte der Acetylsalicylsäure ("Aspirin"). Eine solche medikamentöse Vorbeugung kann aber Risiken bergen, mehr dazu im Abschnitt "Chemoprävention". Außerdem sind zum Nutzen ebenfalls noch Fragen offen. Deshalb sollten Betroffene nicht auf eigene Faust handeln, sondern Arzneimittel zur Prävention nur in Absprache mit ihren Ärzten einnehmen.

Für Patienten mit Morbus Crohn ist noch nicht ausreichend untersucht, wie oft sie zur Früherkennung gehen sollten und welche  Untersuchungen bei ihnen einerseits wenig belasten und andererseits möglichst viel Sicherheit bieten. Die aktuelle Leitlinie zur Behandlung von Morbus Crohn empfiehlt dennoch ein ähnliches Vorgehen wie für Menschen mit Colitis Ulcerosa, also eine Darmspiegelung in den ersten Jahren nach der Crohn-Diagnose. Auch hier gilt: Ob danach besondere Früherkennungsuntersuchungen sinnvoll sind, hängt vom individuellen Ausmaß der Erkrankung ab. Betroffene sollten daher mit ihren Ärzten eine Betreuung besprechen, die auf ihre persönliche Situation angepasst ist.

 

Darmpolypen: Warum werden sie zum Krebsrisiko?

Darmpolypen werden häufig bei einer Darmspiegelung gefunden. Sie sind zunächst meist gutartig. Wie kommt es, dass manche von ihnen irgendwann bösartig werden? Die genauen Mechanismen sind Gegenstand der Forschung, klar ist aber: Sie sind ein deutlicher Hinweis auf ein hohes Risiko. Deshalb werden sie während der Untersuchung möglichst vollständig entfernt. 

 

Wer schon einmal Darmpolypen hatte, dem empfehlen Fachleute unter Umständen Kontroll-Darmspiegelungen in kürzeren Abständen als die normalerweise zur Früherkennung üblichen zehn Jahre. Abhängig ist dies aber vom feingeweblichen Aufbau, der Größe und der Anzahl der Polypen. 

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